BUCH: "BALOU" KLEINER HELD AUF SAMTPFOTEN

REZENSION: READERS DIGEST

 

Ein Herz für tierische „Sozial-Felle“

„Wenn es uns Tieren nicht gut geht oder wenn man sehr krank ist, dann soll man hier im Dorf das Haus des Lichtes suchen“, erklärt ein kleiner roter Streuner dem verdutzten Kater Balou. „Denn da wird kein geschundenes, heimatloses oder verletztes Tier weggeschickt. Da soll man sich nur vor die Haustüre auf die alte Fußmatte setzen und es wird einem geholfen.“

Erst kann sich Balou keinen Reim machen auf das Geschwätz des kleinen Roten – doch plötzlich dämmert es ihm: Der junge Kater meint das Haus, in dem Balou zusammen mit seinen Menschen, dem Kater Mogli und den Hunden Bruno und Jack wohnt!

So ist das also. So finden all die tierischen „Sozial-Felle“ ihren Weg zum Ehepaar Runkel. Wenn Balou an sein eigenes Schicksal als krankes, vernachlässigtes Bauernhofkätzchen zurückdenkt, das im „Haus des Lichts“ Aufnahme fand und daran, wie der schusselige Kater Mogli zu ihnen kam oder die beiden Tierheim-Hunde, ist es eigentlich kein Wunder, dass sich so eine liebevolle Anlauf- und Rettungsstelle im Tierreich herumspricht. Tieren in Not muss das Leben bei Balou daheim wie das Paradies vorkommen.

Und vielleicht hat man sich das Paradies wirklich so ähnlich vorzustellen: Täglich geht Sabine Runkel mit ihren beiden Hunden – und oft auch den Katzen – spazieren. Es kommt zu allerhand interessanten Begegnungen mit aufdringlichen Mäusen und bissigen Hamstern, bekannten und unbekannten Hunden und ihren Haltern, Schweinen – und mit einem Weidenzaun mit ganz unerhörten Eigenschaften. 

Da wird gerannt, getobt, gebuddelt und gebadet. Auch im heimischen Garten fehlt es den Tieren an nichts. Frauchen Sabine baut den Katzen „Korbbäume“ und gräbt kleine Erdlöcher für sie, in denen sie sich verstecken können. Die Hunde haben ein eigenes Planschbecken in Gestalt einer ausgedienten Duschwanne. Und auch die Wildtiere und Streuner werden nicht vergessen: Für sie steht im Garten stets Futter bereit.

Da ist es eigentlich kein Wunder, dass die Tiere des Hauses ähnlich hilfsbereit und sozial eingestellt sind wie die Menschen. Als der alte Hofhund Hektor im Sterben liegt, eilt Kater Balou zu ihm und steht ihm in den letzten Momenten seines Lebens bei. Und das, obwohl er jeden Grund hätte, seine alte Heimat, den Bauernhof, und insbesondere den finsteren Hektor zu meiden. 

Balou ist es auch, der Hilfe holen geht, als die Nachbarskatze in einen Brunnenschacht gefallen ist. Wird sein Frauchen die Botschaft verstehen und mitkommen? Oder funktioniert eine solche Kommunikation nur in Fernsehserien wie „Lassie“? 

Was auf jeden Fall immer klappt: Wenn Balou einen hilfsbedürftigen Artgenossen einfach mit nach Hause bringt. So kommt auch „Onkel Loui“ ins Haus, ein älterer Kater, der so elend, krank und abgemagert ist, dass selbst der Tierarzt so etwas noch nicht gesehen hat. Er gibt dem Kater keine großen Überlebenschancen. Doch eigentlich müsste er mittlerweile die positiven Kräfte kennen, die im „Haus des Lichtes“ wirken ...

Auch der kleine rote Kater, der Balou auf sein außergewöhnliches Heim angesprochen hat, wird nicht vergebens auf der alten Fußmatte sitzen. Kater Mogli – besondere Kennzeichen: rennt schnell, frisst schnell, schnurrt schnell und findet unglaublich schnell Freunde – wird dazu eingeteilt, den Roten unter seine Fittiche zu nehmen und ihm alles beizubringen, was man als Kater im Haus der Familie Runkel wissen muss. Auch wenn Mogli normalerweise selbst mit den wüstesten Rabauken aus dem Tierreich klar kommt und sogar einen Marder zu seinen Freunden zählt – seine Pflichten als Lehrer und Mentor fallen ihm schwer. Trotz aller Freundlichkeit und Gutherzigkeit ist er ein wenig eifersüchtig auf den Neuzugang. Wird der Rote trotzdem bleiben dürfen?

Dieses hinreißende Buch lässt den Leser wirklich einen Blick ins Paradies werfen. So schön könnte es sein, wenn man einander helfen und unterstützen würde anstatt die Ellenbogen zu benutzen sich gegenseitig zu bekämpfen ... Ein Buch, das uns Hoffnung gibt und das und uns auch schmunzeln lässt, denn manche Begebenheiten sind zu köstlich! Die zahlreichen schwarz-weiß-Fotos zeigen auch, das dieses Tierparadies und seine Helden keine Erfindung der Autorin sind, sondern dass es das alles tatsächlich gibt ... 

So ganz nebenbei hat Sabine Runkel für dieses Buch noch ein praktisches neues Satzzeichen erfunden. Anführungszeichen kennen wir alle. Die benutzt man, um zu kennzeichnen, dass eine Person spricht. Und was nimmt man, um anzudeuten, dass eine Person singt? Ganz klar: Einen Notenschlüssel!

 

Bei einem so aufregenden menschlich-tierischen Haushalt wird bestimmt bald der nächste Band folgen. Wie viele Hunde und Katzen das „Haus des Lichtes“ wohl dann beherbergen wird? Ich bin gespannt ...

 

Rezensent: Edith Nebel

Edith Nebel
Marketing Promotion
Reader's Digest Deutschland: Verlag Das Beste GmbH